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Plötzlich Choreografin

Workshop für Lehrerinnen. Foto: Cornelia Baumgart
Workshop für Lehrerinnen. Foto: Cornelia Baumgart
Schlagworte
Datum
27. Januar 2018

Dass ich jemals ein Tanzstück choreografieren würde, hätte ich niemals gedacht, aber Tanzpädadogin Nadja Raszewski macht`s im Workshop „Tanz sehen und erleben“ für Lehrer*innen möglich. Ihr Credo: Wer Tanz vermitteln will, der sollte Tanz erlebt haben.

Improvisation und Choreografie

Drei Stunden nimmt sich Nadja für die 21 Teilnehmer*innen Zeit und die vergehen wie im Fluge. Stets ist Nadja auf eine Mischung zwischen Improvisation und vorgegebener Struktur bedacht. Selbst die Aufwärmübungen sind choreografiert. Nadja zählt immer bis vier. Vier Beats vorwärts, vier rückwärts, skippen am Platz (hüpfend hochspringen) und dann beginnt alles wieder von vorn. Immer wieder erweitert sie die Bewegungsfolgen. Nach vier Beats soll jeder eine eigene Bewegung in vier Beats ausführen. Eins, zwei, drei, vier. Die Beine bleiben fest auf dem Boden, der Rest des Körpers rotiert. Hüften kreisen, Fäuste schnellen nach vorne und Körper wellen sich. Der treibende Afrobeat treibt auch die Teilnehmer*innen an. Dann etabliert Nadja die erste Duettsituation. Man solle beim Freestyle auf einen frei gewählten Partner*in zugehen und mit ihm/ihr interagieren.

Ein anderes Raumgefühl

Nadja ändert nicht nur die Bewegungsabfolgen, sondern sie erschließt beim diesjährigen Workshop den ihr zur Verfügung stehenden Platz mit der Gruppe immer wieder aufs Neue, indem sie den Raum stets anders einteilt. Anders als im letzten Jahr beim Workshop für Lehrer*innen haben die Teilnehmer*innen viel mehr Raum. Das gibt ihnen die Möglichkeit, ein Gefühl für den Raum zu entwickeln. Auf doppelt so großer Fläche erfahren Mann wie Frau wie auch sie als Gruppe in anderen Konstellationen wirken. Im Kreis, in einer Reihe quer durch den Raum oder aufeinander zutanzend sowie als Gruppe in einer selbst getanzten Choreografie. Doch dazu später, denn Nadja weiß, dass sie erst das Feuer für den zeitgenössischen Tanz entfachen muss. Deshalb wird sie einige Techniken auf spielerische Art erklären, die später den Lehrer*innen als Handwerkszeug dienen werden.

Wie man Lücken ausfüllt

Nach dem Warmup stellen sich alle im Kreis auf. Auch Najda, denn sie steht nichtoberlehrerhaft am Rand, sondern sie ist Teil der Gruppe. Der Reihe nach geht jede/r wie beim Breakdance einmal in die Mitte und überlegt sich eine Figur. Wer als nächstes in den Kreis kommt, sucht die Freiräume in der Bewegung des jeweils anderen. Sie nennt die Übung „Löcher stopfen“. Wer sich zum Beispiel „Männer tanzen“ von den TanzKomplizen am nächsten Tag ansehen wird, der wird diese Technik wiedererkennen. Die erste Runde ist noch recht langsam, in der zweiten Runde zieht Nadja das Tempo an. Es fühlt sich schon wieder an wie ein Tanzstück. Dann macht Nadja es noch ein Stückchen schwieriger. Man soll den Vorgänger*in mit der eigenen Figur einbauen. Der/die andere windet sich möglichst tänzerisch heraus. Nadjas Übungen kommen gut an, die Atmosphäre ist angenehm locker. Und ganz nebenbei vermittelt sie einige Tanztechniken.

Alte und neue Tanzpositionen

Dann ist die Gruppe soweit. Jeweils vier Teilnehmer*innen schließen sich zusammen, um gemeinsam eine Choreografie zu entwickeln. Dafür verteilt Nadja Hefte für zeitgenössischen Tanz auf dem Boden. Außerdem legt sie zwei Alben, in denen alten Tanzpositionen zu sehen sind, aus. Jede Gruppe soll sich für Anfang beziehungsweise Ende der Choreografie jeweils eine alte und eine neue Position aussuchen. Ein paar Minuten später zeigen die Teilnehmer*innen was sie gelernt haben. Keine Choreografie gleicht der anderen, synchrone und asynchrone Momente, Tanzstile und Menschen vermischen sich. Ein toller Moment!

Von der Praxis zur Theorie

Im Anschluss versammelt Nadja die Workshopgruppe zum gemeinsamen Feedback. Sie will wissen, wie gut die Vermittlung von Tanz bisher funktioniert und erklärt, was sie in all ihren Jahren als Tanzpädagogin gelernt hat. Es ist immer wichtig, auf die Gruppe einzugehen, rät sie. Wenn beispielsweise eine Schüler*innengruppe zu einem bestimmten Lied performen wolle, dann solle man ruhig auf sie eingehen. Denn das wichtigste sei, sie für etwas zu begeistern und da ist es immer gut, sie an dem Punkt abzuholen, wo sie sich gerade befinden. Und ab da ist alles möglich. Wie sie auch dieses Jahr wirkungsvoll bewiesen hat.

 

Text: Susanne Gietl

 

Weitere Informationen

Der kostenlose Workshop „Tanz sehen und erleben – Workshop für Lehrer*innen“ fand am Dienstag, 23. Januar 2018 in den Uferstudios statt. Der Artikel gibt nur Eindrücke des Workshops wieder und nicht alle Übungen des Workshops.

One comment

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  1. ein toller Workshop – sehr klar, sehr effizient und hat viel Spaß gemacht.
    so richtig empfehlenswert für alle, die Tanz vermitteln wollen – und dann auch noch umsonst!!!! Mit hand out!!
    ganz ganz herzlichen Dank
    Eliane

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