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„Ich mag Verwirrung.“

Claire Parsons. Foto: Tina Axelsson
Claire Parsons. Foto: Tina Axelsson
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Datum
28. Januar 2018

Eigentlich wollte die Choreografin Claire Parsons nie ein Stück für Kinder machen, weil es sie beängstigte. Aber als sie vor zehn Jahren gefragt wurde, entdeckte sie plötzlich ihre Liebe zum Zirkus und wollte nichts anderes mehr machen. Mit der Claire Parsons Company präsentierte sie auf dem PURPLE-Tanzfestival „And then…“ und sprach mit Susanne über Zirkus, Fantasie und über zeitlose Stücke ohne Altersbeschränkung. 

Claire, 2005 hast du dein erstes Stück für Kinder konzipiert. Was ist dir bei deinen Arbeiten wichtig?

Claire: Kinder als Zuschauer sind sehr ehrlich und präsent. Ich kann nicht einfach herumprotzen, sondern ich muss mich einem Thema wirklich nähern und im künstlerischen Ausdruck präsent sein. Deswegen mache ich gerne Stücke für ein jüngeres Publikum. Ich möchte keine kindischen, dummen oder einfachen Stücke machen. Wichtig ist mir aber auch, dass Menschen jedes Alters einen Zugang zu meinen Stücken finden. Künstlerisch hat mich die Bauhausbewegung für „And then…“ sehr inspiriert. Das Design und die Objekte sind alterslos und rund.

Wie im Zirkus kommen auf der Bühne viele Objekte vor…

Claire: Ja. Ich mochte den Zirkus eigentlich nie. Einer meiner Klassenkameraden kam sogar aus dem Zirkus, seine Eltern besaßen einen berühmten Zirkus, aber ich  konnte nichts damit anfangen. Das hat sich jetzt geändert. Der Zirkus ist eine Welt, in der Objekte eine große Rolle spielen. Das mag ich. In „And then…“ kommt wie in „Marmelade“, dem ersten Stück meiner Kompagnie, Pantomime vor und es wird auch jongliert. Das ist für die Kinder wie Magie.

Nach einer Weile wenden sich die Performer*innen an das Publikum…

Claire: In dem Moment öffnen sie sich dem Publikum und brechen die Bühnensituation auf, aber sie haben sich nicht entschieden, was sie ihnen erzählen wollen und lassen sich vom Publikum helfen, indem es die Lücken in ihren Erzählungen ausfüllt. Die eigentliche Frage ist: Erzählen sie wirklich eine Geschichte?

In „And then…“ geht es genau darum? Eine oder besser viele Geschichten zu erzählen oder eben nicht zu erzählen?

Claire: … oder wie man sein Leben lebt. Vier Menschen wollen eine Geschichte erzählten, aber sie werden ständig unterbrochen. Sei es von einem Gedanken oder von Dingen, die auf der Bühne passieren wie Objekte, die sich über die Bühne bewegen. So ist das im Leben auch. Man könnte also sagen, das Stück handelt vom Leben selbst oder vom Innenleben.

Es ist alles gleich wichtig: Der Tanz, die Performer, die Objekte, die Masken, das Haar, die Musik und auch das Gesamtbild. Wie hast du dich entschieden, welche Position für welches Objekt richtig ist und wie hast du die Reihenfolge der einzelnen Geschehnisse bestimmt?

Claire: Mir ist das richtige Timing sehr wichtig und das alles gut zusammenpasst. Ich entscheide intuitiv und ich mag es, offen für Fehler zu sein. Wenn ein Performer*in ein Objekt falsch abstellt, dann kann es sein, dass ich es so großartig finde, weil es andere Erwartungen hervorruft. Ich mag Verwirrung. Am Anfang ist das Stück wie ein Puzzle und es mag sicher einige Zuschauer*innen geben, die nicht verstehen, was passiert. „And then…“ ist auch surreal und führt in eine Welt, in der alles miteinander verknüpft ist, immer merkwürdigere Dinge passieren. Sie ist verkehrt herum und kopfüber. Ich hoffe, dass sich der- oder diejenige zurücklehnt und die Bilder genießt, neugierig ist und sich einfach nur wundert.  Mein Lieblingspublikum ist ein Kind, das sich denkt: Ich weiß nicht, was es ist, aber ich liebe es. Ich war als Kind auch so.

Welche Erfahrungen hast du mit Performances für Kinder gemacht?

Claire: Kinder sind nicht sehr fokussiert. Es passiert so viel, irgendwann braucht es einen Moment, in dem nichts passiert. In der Mitte des Stückes gibt es eine Art Pause und dann geht`s wieder weiter.  Letztes Jahr machte ich ein Stück, das keine Bühne hatte. Die Zuschauer*innen bewegten sich durch verschiedene Stationen. Die Kinder liebten es, sich eben nicht hinsetzen zu müssen und gingen auf die Performer*innen ein. Das war toll. Ich glaube, Chaos auf der Bühne hilft.

Interview: Susanne Gietl

 

Weitere Informationen

„And then…“ von der Claire Parsons Company wurde am 23. und 24. Januar 2018 im Rahmen des PURPLE-Tanzfestivals aufgeführt.

 

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