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Festivaleröffnung: Wir sind eine Welt

Canan Erek. Copyright: Roberto Duarte
Canan Erek. Copyright: Roberto Duarte
Schlagworte
Datum
23.01.2019

Akzeptanz ist der Schlüssel zur Vielfalt. Beim Eröffnungsabend des PURPLE-Tanzfestivals in den Uferstudios am Montag stand Toleranz klar im Vordergrund. Die Vorführung des Stückes „Sluier“ traf klar ins Schwarze.

Gegen die Sprachlosigkeit

Zuallererst hält Canan Erek, die künstlerische Leiterin, eine Begrüßungsrede und reicht das Mikrofon weiter an Kultursenator Dr. Klaus Lederer. „Das Nonverbale steht im Mittelpunkt, nicht das Verbale, “ erkärt er. „Tanz ist eine gute Möglichkeit, Kontakt zu anderen Menschen zu finden, wenn Sprachlosigkeit da ist.“ Worte, die für Teilnehmer*Innen des Workshops für Lehrer*Innen nachklingen. Sie alle durften erfahren, was es heißt, nonverbal zu kommunizieren und sich trotzdem zu verstehen und aufeinander einzugehen. Beate Gerlings von der niederländischen Botschaft leitet zur darauffolgenden Vorstellung über. „Das Danstheater AYA hat keine Angst vor heißen Themen. Sie haben keine Angst vor komischen oder unangenehmen Themen. AYA ist dafür bekannt, auch schwierige Aufgaben zu meistern.“

In dem Stück „Sluier“ zeigt das Tanztheater AYA den Spagat, den es zu meistern gilt, wenn man zwischen zwei Kulturen sozusagen feststeckt. Die Kompagnie wählt dafür das Bild der Tänzerin Laila, die zwischen Conny und Cherif steht. Sie halten sich an jeweils einer Seite ihres Pullovers fest. „Geht drei Schritte rückwärts“ fordert sie die beiden auf. Beiden halten sie an ihrem Ärmel fest, Lailas Pullover dehnt sich, dann lockert Chérif seinen Griff und verliert sie. Laila stolpert auf Connys Seite. „Wir sind auf einem Festival. Das ist doch kein Beginn einer Vorstellung,“ kritisiert Chérif sie.

 

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Die holländische Tanzkompagnie holt den Orient in die Uferstudios, denn der zweite Anfang ähnelt einem arabischen Fest. Laute Musik wird gespielt, Süßigkeiten und Datteln werden gereicht und das Publikum in der erste Reihe wird von den Sitzplätzen auf die Bühne gezogen. Dann hört die Musik auf zu spielen und die Zuschauer*Innen nehmen wieder ihre Plätze ein. Ein guter Kniff, denn ab diesem Moment sind alle Teil des Geschehens. Danstheater AYA erzählt viele Geschichten, unter anderem die von einem Mädchen (Laila), welches sich langsam als Frau erkennt. Mouna erklärt auf der Bühne den Unterschied zwischen Frau und Mann, sie spricht über die Reduzierung der Frau auf ihren Körper nach dem BBBP-Prinzip (Busen-Bauch-Beine-Po), über geschlechtsspezifische Merkmale und welche Heiligkeit der weibliche Körper erfährt, bis der Mann „die Oase betritt“ und die beiden ihre erste Nacht verbringen.

 

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Zusammenstoß der Kulturen

„Lasst uns die Geschichte vom Muslimmädchen erzählen“, beschließt die Gruppe und öffnet damit ein weiteres schwieriges Kapitel. Jeder will die Hauptrolle spielen, doch wer qualifiziert sich? Die Kriterien, dass man der arabischen Kultur möglichst treu sein solle, erfüllt keiner der Beteilgten und so batteln sie tanzend um die Rolle. Laila gewinnt, setzt sich ein Kopftuch auf und zeigt, was es bedeutet, eine Frau im Orient zu sein. Ihr Körper ist steif und strebt doch nach Freiheit. Als sie sich in einen Nichtmuslimen verliebt, stoßen die offene westliche und fernöstliche Kultur aneinander. Arabische Zurückhaltung trifft auf kraftvollen Breakdance.

Auch musikalisch setzt die Tanzgruppe den Zusammenstoß der Kulturen um. Im Laufe des Stückes wechselt die Gruppe zwischen Livemusik und eingespielter Musik, die Musikstile reichen von oriental bis hin zu Elektro und Eurodance. Die Welten vermischen sich. Die prägnante Singstimme von Karima erfüllt den Raum und nimmt dem Stück die Schwere. „Sluier“ ist ein Stück, das aufklärt, ohne oberlehrerhaft zu wirken, das Toleranz lehrt, ohne sie zu fordern und das jedem die Chance gibt, die eigene Meinung zu überdenken und Nächstenliebe zu leben.

Kritik: Susanne Gietl

 

Weitere Informationen

„Sluier“ von Danstheater AYA wurde am 21. und 22. Januar 2019 in den Uferstudios aufgeführt.

Konzept, Regie Wies Bloemen Choreografie Wies Bloemen mit den Tänzern Tanz Laila el Bazi, Mouna Laroussi, Constantin Trommlitz, Chérif Zaouali Gesang Karima el Fillali Musik Kaveh Vares, René Thie Bühne, Licht Erik van Raalte Kostüm Marina van der Heiden

 

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